Aktuell

Angezeigte Kategorie: Allgemein

» Alle Artikel anzeigen

2. Oktober Veröffentlicht von

Der Neurosen-Kavalier
Eine poetische Kurzhandlung

Der_Neurosen-Kavalier(c)Michael Szyszka

 

Professor Otto ist verreist.
Damit die Praxis nicht verwaist,
so lang er draußen in der Welt,
hat er Doktor de Witt bestellt.
Jedoch das schöne Fräulein Engel
zeigt in der Menschenkenntnis Mängel:
Sie glaubt, der Kaufhausräuber Bollmann
sei der de Witt – das fängt ja toll an …
Denn schon steht – er kapiert es kaum –
Der erste Patient im Raum.
Die Frau Carrera wird gequält,
wie sie dem Seelenarzt erzählt:
obwohl sie schreibt von Lust und Sex
von ihrem »Zwei-Teiler«-Komplex.
Als Nächster kommt Herr Appelhans
der überzeugt ist voll und ganz
– obwohl er sehr gehemmt und scheu –
das Elvis in ihm lebt auf´s Neu…
Sybille Bast ist reich und klaut –
(was Bollmann ja nun wohlvertraut)
Doch daß sie mopst auch seine Tasche
macht alle Sympathie zu Asche…
Als noch erscheint Kommissar Maiwald,
denkt Bolli schon, es ist vorbei bald…
Doch der ist psychisch durch den Wind,
weil er den Kaufhaus-Dieb nicht find´t…
Der richtige Doktor de Witt
ist seelisch auch nicht super-fit
als er nun Bollmann Kunde gibt
daß er das Fräulein Engel liebt…
Doch Bolli weiß geschickt zu reden
Und hat schnell ein Rezept für jeden:
Die Frau Carrera jauchzt befreit!
Der Appelhans den Ur-Schrei schreit!
Sybille muss nicht weiter klauen –
denn sie lässt sich mit Bollmann trauen!
De Witt hört auf mit dem Gequengel
Denn er bekommt das Fräulein Engel!
Selbst Maiwald fühlt sich wie verwandelt
seitdem der Doktor ihn behandelt!
Nur der Professor ist verstimmt
wenn er plötzlich zur Kenntnis nimmt.
daß seine einträglichen Kunden
geheilt und seiner Couch entschwunden…

Doch in der Psycho-Therapie
geschieht das selten – eigentlich nie.

Diese Version von Schuld und Sühne
Gibt´s heut´ in Zittau auf der Bühne!!!

Gunter Beth

Weitere Informationen zum Neurosen-Kavalier finden Sie unter folgendem Link: Der Neurosen-Kavalier

 

 


Gut informiert durch den Sommer

18. Juli Veröffentlicht von

56-2018.8082-1Sie wollen wissen, wann die nächsten Vorstellungen anstehen? Sich über die anstehenden Premieren kundig machen und die neuesten Theaternachrichten lesen? Dann sollten Sie unbedingt unsere Theaterzeitung zur Hand nehmen. 16 Seiten laden zum Stöbern und Lesen ein.

Auch online steht Ihnen unsere Zeitung zur Verfügung: GerHarT #56 Juli/August 2018

Wir wünschen viel Spaß dabei!

 


Ein Blick hinter die Kulissen

25. April Veröffentlicht von

Ein persönlicher Probeneinblick in die Oper „Die Entführung aus dem Serail“

Von Sophia Haug

Die Entführung aus dem Serail_(c)Marlies Kross

Foto: Marlies Kross

Schon von Kindesbeinen an fesselt mich die Oper im Allgemeinen, doch Mozarts Opern ziehen mich besonders in ihren Bann. So lag es für mich sehr nahe, einfach mal im Theater nachzufragen, ob es denn möglich wäre, bei einer Produktion hospitieren zu dürfen. Meine Begeisterung war doppelt groß, als ich erfuhr, dass ich nicht nur generell hospitieren dürfte, sondern dass die Produktion, bei welcher das möglich sei, die Oper „Die Entführung aus dem Serail“ ist.

Ich studiere „Kultur und Management“ hier an der Hochschule in Görlitz. Da ich eine sehr kulturintensive Erziehung genossen hatte, war mir die Oper „Die Entführung aus dem Serail“ bereits bekannt und gehört sogar zu meinen Lieblingsopern. Dies war von Vorteil, da ich so auf meinem bereits vorhandenen Wissen aufbauen konnte. Dachte ich jedenfalls. Denn es wäre fatal zu behaupten, ich würde mich mit dieser Oper auskennen. Als es mit den ersten Proben losging, wurde mir klar, wie sehr begrenzt mein Wissen doch ist, besonders, wenn es um musikalische Aspekte geht. Beim Blick in den Klavierauszug hatte ich gefühlt 1000 Fragen zu allen möglichen Bezeichnungen. Doch ich wäre nicht ich, wenn ich diese Fragen einfach auf sich beruhen ließ. Also fing ich an zu fragen. Und es war eine wunderbare Erfahrung für mich, mit welcher Geduld der Dirigent, die Sänger und der Repetitor meine Fragen beantworteten und mir auf diese Weise neue Welten eröffneten.

Doch einmal ganz von der Musik abgesehen. Eine weitere große Frage, die in meinem Kopf zu Beginn der Produktion herumgeisterte, war: Wie inszeniert man eine Oper, die schon so bekannt ist? Also wie schafft man es als Regisseur trotz der Vielfältigkeit der bereits existierenden Inszenierungen, noch etwas Neues und Eigenes zu kreieren, ja der Oper seine eigene Handschrift zu verleihen? Als erstes ist mir aufgefallen, dass die Dialoge sich von der Fassung unterscheiden, die mir bekannt war. Dies ist, meiner Meinung nach, ein sehr gutes Mittel, um seine Interpretation der Oper zu verdeutlichen. Neben dem Abändern, Streichen oder Hinzufügen von Text ist natürlich die Inszenierung selbst entscheidend, die Verbildlichung des Ganzen. Nach der Vorstellung des Konzepts durch die Regisseurin Birgit Scherzer ging es bei den Proben „einfach“ mit dem Beginn der Oper los. An dem einem Tag wird nur mit einem Sänger geprobt und an anderen Tagen steht dann beispielsweise ein Duett an. Doch man sollte nicht annehmen, dass, wenn jemand seine Arie singt, die Bühne ansonsten leer ist. So auch bei Blondes Arie „Welche Wonne, welche Lust“, bei der Pedrillo zwar nicht singt, aber trotzdem auf der Bühne bleibt und dabei seiner Rolle als witziger Buffo, meiner Meinung nach, schauspielerisch mehr als gerecht wird.

Man kann sich so eine Probe wie folgt vorstellen: Der Zuschauerraum liegt im Dunkeln und ist vollkommen leer. Keine Menschenseele ist dort anzutreffen. Stattdessen sind alle auf der Bühne versammelt. Wo sonst beim Musiktheater das Orchester spielt, sind jetzt Platten ausgelegt, sodass man praktisch auf dem Orchestergraben sitzt. Darauf stehen Tische für die Regisseurin und den Regieassistenten, ein kleiner jeweils für den Dirigenten und die Ausstatterin und in der Ecke steht ein Notenständer für die Soufflage. Auch ich durfte auf der Bühne neben dem Regieassistenten sitzen. Es war schon ein tolles Gefühl, als mir klar wurde, dass ich auf der Bühne saß, ja genau da, wo sonst eigentlich das Orchester spielt. Einen ganz entscheidenden Mitwirkender habe ich noch nicht genannt, nämlich den Repetitor. Dieser sitzt am Flügel an der linken Bühnenseite. Jetzt stellt man sich vielleicht die Frage: „Das ist doch eine Oper, in der es selbstverständlich auch ein Orchester gibt, oder ist das jetzt eine alternative Interpretation?“ Ja natürlich gibt es ein Orchester. In dieser Probenphase wird aber noch nicht mit dem Orchester geprobt. Dieses kommt erst etwa zehn Tage vor der Premiere dazu.

Aber zurück zur Probe. Die Rohfassung des Bühnenbilds steht schon, wenn alle bereit sind, ja dann geht es einfach los mit der Szene Blonde – Pedrillo. Die beiden betreten die Bühne in Straßenkleidung bzw. einem Probenkostüm, welches, wie es der Name schon sagt, nur für die Proben genutzt wird. Also da stimmt dann vielleicht die Farbe noch nicht so ganz. Diese Probenkostüme sind aber wichtig, weil der Akteur ja auch ein Gefühl dafür bekommen muss, wie es ist, nicht in Jeans und T-Shirt zu singen, sondern in dem Kostüm zu agieren. So im Falle Pedrillos, der eine Perücke aufhat, die er an manchen Stellen im Stück dezidiert abnimmt. Dieser Probenperücke etwa sieht man die intensive Probenzeit deutlich an.

Die Regisseurin gibt kurze Instruktionen und dann beginnen die Beiden ihren Dialog. Nach kurzer Zeit unterbricht Frau Scherzer und ändert etwas. Dieses „Spiel“ findet so lange statt, bis die Szene sitzt. Das kann manchmal ganz schön lange dauern. Nach dem Dialog geht es sofort hinein in Blondes Arie, bei der auch Pedrillo nicht fehlen darf. Hier ist die Arbeitsweise ähnlich wie bei dem Dialog, es kommt aber noch die Musik hinzu. So geht der Dirigent Ulrich Kern die Arie mit der Sängerin noch kurz durch, bevor dann die Regieanweisungen gegeben werden. Diese müssen parallel zum Gesang umgesetzt werden. Dies erfordert ein hohes Maß Flexibilität. Nach mehrmaligem Durchlauf ist auch diese Arie „im Kasten“. Die Atmosphäre bei den Proben ist sehr intensiv und zuweilen auch angespannt. Doch Pedrillo (Michael Berner) und Blonde (Jenifer Lary) sorgen als das Buffo-Paar der Oper nicht nur auf der Bühne, sondern auch in den Pausen für heitere Stimmung.

Eine bessere Ergänzung zu meinem Semester hätte ich mir kaum vorstellen können: Ich habe während meiner Zeit hier so unfassbar viel gelernt. Da waren nicht nur die Probenbesuche, in denen ich die Herangehensweise und das Entstehen der Inszenierung mitverfolgen konnte, sondern auch die Gespräche mit den Sängern und all den anderen Beteiligten, die sich bereitwillig meinen Fragen gestellt haben und mir von ihrem Weg zur Bühne erzählten. Deshalb bleibt mir zum Schluss nur eines zu sagen: Vielen herzlichen Dank für diese tolle Erfahrung!


Dürfen wir vorstellen…

19. April Veröffentlicht von
Daniel Ratthei_(c)privat

Foto: Daniel Ratthei_privat

Ich heiße Daniel Ratthei. Ich bin Autor und habe vom Gerhart-Hauptmann-Theater Zittau ein Stipendium erhalten ein Stück für den TheaterJugendClub zu schreiben. Vier Monate darf ich hier sein um zu beobachten, zu verstehen und zu dichten.

 

Ein abendfüllendes Stück soll es sein, dass die Besonderheiten und Eigenarten der Region widerspiegelt. Nun denn, vier Monate Zittau. Los geht es!

Gleich am ersten Tag steht Wandern auf dem Programm. Ich hatte vor durch die Innenstadt zu schlendern, aber die Sonne scheint und es zieht mich magisch zur Gebirgskette hin, die ich von meinem Fenster aus sehe. Nur wie hinkommen? Ich laufe einfach der Nase nach, verlaufe mich, stapfe über ein Feld, befinde mich plötzlich in einer Art Gartenkolonie und zwei Männer schauen mich mit Gesichtern an auf denen geschrieben steht: Was will der denn hier??

Dann finde ich doch einen Weg und genau diese Strecke werde ich in den nächsten Wochen noch öfters abgehen, immer dann wenn es nachzudenken gilt, habe mir also am ersten Tag quasi meine Stamm-Wanderstrecke sozialisiert. Die Burg Oybin habe ich an diesem Tag besucht – über den Poetenweg wo ich mich ein wenig, ich gebe es zu, angesprochen fühlte – und natürlich habe ich auch mit der Schmalspurbahn an diesem Tag zum ersten Mal Bekanntschaft gemacht.

Überhaupt die Schmalspurbahn. Es vergeht kein Tag an dem ich sie nicht sehe oder höre. Sie macht ähnlich viel Dampf wie das Kraftwerk Turòw da draußen an der Grenze. Ich denke sofort an einen ersten Arbeitstitel für mein Jugendstück: Schmalspur-Chaoten.

Verwerfe den Gedanken wieder.

Und da wären wir auch schon beim eigentlichen Sinn, wenn ich durch die Stadt laufe, mir die Museen anschaue, die Jugendclub-Probe besuche oder mit verschiedenen Leuten ins Gespräch komme, nämlich die Geschichte zu finden. Ich bin mit nichts Vorgefertigtem nach Zittau gekommen, ich habe kein Stück in der Schublade, ich nehme die Residenz als das wahr, was es sein soll: als Werkstatt.

Inzwischen habe ich Zittau recht gern. Die Stadt wirkt, als habe sie vor einiger Zeit eine schallende Ohrfeige erhalten, als wäre der Abdruck noch sichtbar; und dennoch gibt es die vielen Impulse weiterzumachen, nicht aufzugeben und Neues zu erschaffen. Ich habe mit Sicherheit noch nicht alles gesehen und erlebt, aber ich bin an meiner Aufgabe dran und das ist sehr befriedigend.

Ach ja, wer mich irgendwo umherirren sieht, kann mich gern ansprechen, denn die Geschichte bist DU!