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Ein Blick hinter die Kulissen

25. April Veröffentlicht von

Ein persönlicher Probeneinblick in die Oper „Die Entführung aus dem Serail“

Von Sophia Haug

Die Entführung aus dem Serail_(c)Marlies Kross

Foto: Marlies Kross

Schon von Kindesbeinen an fesselt mich die Oper im Allgemeinen, doch Mozarts Opern ziehen mich besonders in ihren Bann. So lag es für mich sehr nahe, einfach mal im Theater nachzufragen, ob es denn möglich wäre, bei einer Produktion hospitieren zu dürfen. Meine Begeisterung war doppelt groß, als ich erfuhr, dass ich nicht nur generell hospitieren dürfte, sondern dass die Produktion, bei welcher das möglich sei, die Oper „Die Entführung aus dem Serail“ ist.

Ich studiere „Kultur und Management“ hier an der Hochschule in Görlitz. Da ich eine sehr kulturintensive Erziehung genossen hatte, war mir die Oper „Die Entführung aus dem Serail“ bereits bekannt und gehört sogar zu meinen Lieblingsopern. Dies war von Vorteil, da ich so auf meinem bereits vorhandenen Wissen aufbauen konnte. Dachte ich jedenfalls. Denn es wäre fatal zu behaupten, ich würde mich mit dieser Oper auskennen. Als es mit den ersten Proben losging, wurde mir klar, wie sehr begrenzt mein Wissen doch ist, besonders, wenn es um musikalische Aspekte geht. Beim Blick in den Klavierauszug hatte ich gefühlt 1000 Fragen zu allen möglichen Bezeichnungen. Doch ich wäre nicht ich, wenn ich diese Fragen einfach auf sich beruhen ließ. Also fing ich an zu fragen. Und es war eine wunderbare Erfahrung für mich, mit welcher Geduld der Dirigent, die Sänger und der Repetitor meine Fragen beantworteten und mir auf diese Weise neue Welten eröffneten.

Doch einmal ganz von der Musik abgesehen. Eine weitere große Frage, die in meinem Kopf zu Beginn der Produktion herumgeisterte, war: Wie inszeniert man eine Oper, die schon so bekannt ist? Also wie schafft man es als Regisseur trotz der Vielfältigkeit der bereits existierenden Inszenierungen, noch etwas Neues und Eigenes zu kreieren, ja der Oper seine eigene Handschrift zu verleihen? Als erstes ist mir aufgefallen, dass die Dialoge sich von der Fassung unterscheiden, die mir bekannt war. Dies ist, meiner Meinung nach, ein sehr gutes Mittel, um seine Interpretation der Oper zu verdeutlichen. Neben dem Abändern, Streichen oder Hinzufügen von Text ist natürlich die Inszenierung selbst entscheidend, die Verbildlichung des Ganzen. Nach der Vorstellung des Konzepts durch die Regisseurin Birgit Scherzer ging es bei den Proben „einfach“ mit dem Beginn der Oper los. An dem einem Tag wird nur mit einem Sänger geprobt und an anderen Tagen steht dann beispielsweise ein Duett an. Doch man sollte nicht annehmen, dass, wenn jemand seine Arie singt, die Bühne ansonsten leer ist. So auch bei Blondes Arie „Welche Wonne, welche Lust“, bei der Pedrillo zwar nicht singt, aber trotzdem auf der Bühne bleibt und dabei seiner Rolle als witziger Buffo, meiner Meinung nach, schauspielerisch mehr als gerecht wird.

Man kann sich so eine Probe wie folgt vorstellen: Der Zuschauerraum liegt im Dunkeln und ist vollkommen leer. Keine Menschenseele ist dort anzutreffen. Stattdessen sind alle auf der Bühne versammelt. Wo sonst beim Musiktheater das Orchester spielt, sind jetzt Platten ausgelegt, sodass man praktisch auf dem Orchestergraben sitzt. Darauf stehen Tische für die Regisseurin und den Regieassistenten, ein kleiner jeweils für den Dirigenten und die Ausstatterin und in der Ecke steht ein Notenständer für die Soufflage. Auch ich durfte auf der Bühne neben dem Regieassistenten sitzen. Es war schon ein tolles Gefühl, als mir klar wurde, dass ich auf der Bühne saß, ja genau da, wo sonst eigentlich das Orchester spielt. Einen ganz entscheidenden Mitwirkender habe ich noch nicht genannt, nämlich den Repetitor. Dieser sitzt am Flügel an der linken Bühnenseite. Jetzt stellt man sich vielleicht die Frage: „Das ist doch eine Oper, in der es selbstverständlich auch ein Orchester gibt, oder ist das jetzt eine alternative Interpretation?“ Ja natürlich gibt es ein Orchester. In dieser Probenphase wird aber noch nicht mit dem Orchester geprobt. Dieses kommt erst etwa zehn Tage vor der Premiere dazu.

Aber zurück zur Probe. Die Rohfassung des Bühnenbilds steht schon, wenn alle bereit sind, ja dann geht es einfach los mit der Szene Blonde – Pedrillo. Die beiden betreten die Bühne in Straßenkleidung bzw. einem Probenkostüm, welches, wie es der Name schon sagt, nur für die Proben genutzt wird. Also da stimmt dann vielleicht die Farbe noch nicht so ganz. Diese Probenkostüme sind aber wichtig, weil der Akteur ja auch ein Gefühl dafür bekommen muss, wie es ist, nicht in Jeans und T-Shirt zu singen, sondern in dem Kostüm zu agieren. So im Falle Pedrillos, der eine Perücke aufhat, die er an manchen Stellen im Stück dezidiert abnimmt. Dieser Probenperücke etwa sieht man die intensive Probenzeit deutlich an.

Die Regisseurin gibt kurze Instruktionen und dann beginnen die Beiden ihren Dialog. Nach kurzer Zeit unterbricht Frau Scherzer und ändert etwas. Dieses „Spiel“ findet so lange statt, bis die Szene sitzt. Das kann manchmal ganz schön lange dauern. Nach dem Dialog geht es sofort hinein in Blondes Arie, bei der auch Pedrillo nicht fehlen darf. Hier ist die Arbeitsweise ähnlich wie bei dem Dialog, es kommt aber noch die Musik hinzu. So geht der Dirigent Ulrich Kern die Arie mit der Sängerin noch kurz durch, bevor dann die Regieanweisungen gegeben werden. Diese müssen parallel zum Gesang umgesetzt werden. Dies erfordert ein hohes Maß Flexibilität. Nach mehrmaligem Durchlauf ist auch diese Arie „im Kasten“. Die Atmosphäre bei den Proben ist sehr intensiv und zuweilen auch angespannt. Doch Pedrillo (Michael Berner) und Blonde (Jenifer Lary) sorgen als das Buffo-Paar der Oper nicht nur auf der Bühne, sondern auch in den Pausen für heitere Stimmung.

Eine bessere Ergänzung zu meinem Semester hätte ich mir kaum vorstellen können: Ich habe während meiner Zeit hier so unfassbar viel gelernt. Da waren nicht nur die Probenbesuche, in denen ich die Herangehensweise und das Entstehen der Inszenierung mitverfolgen konnte, sondern auch die Gespräche mit den Sängern und all den anderen Beteiligten, die sich bereitwillig meinen Fragen gestellt haben und mir von ihrem Weg zur Bühne erzählten. Deshalb bleibt mir zum Schluss nur eines zu sagen: Vielen herzlichen Dank für diese tolle Erfahrung!

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