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»Flamenco – das ist auch meine ›Carmen‹.«

29. Juni Veröffentlicht von

g45_s4_carmen_(c)PRDie gebürtige Schweizerin Bettina Castaño lernte den Flamenco beim Studium in Sevilla kennen und lieben. Im Juli ist sie im Open-Air-Konzert »Carmen tanzt Flamenco« im Stadthallengarten zu erleben.

Wie sind Sie zum Flamenco gekommen?
BC: Eigentlich kam der Flamenco zu mir. Ich wollte Flamenco tanzen, seit ich denken kann. Als Mädchen fand ich die kitschigen Flamencopuppen toll. Ich habe auch anderes probiert wie Ballett, aber fasziniert hat mich Flamenco, und das tut er heute noch.
Es ist diese Vielseitigkeit. Ich bin Tänzerin und mit den Füßen, Kastagnetten und dem Tamburello Musikerin. Und die Gegensätze reizen mich: Im Flamenco ist die Frau stark, hart, secco, und gleichzeitig weiblich und fein. Das ist auch »meine« Carmen.
Ihr Repertoire an verschiedenen Choreografien ist erstaunlich – wie lange braucht es von der ersten Idee bis zum fertigen Bühnenprogramm und welche Schritte sind dafür zurückzulegen?
BC: Das hängt von vielen Faktoren ab. Der Ideenreichtum und die Kreativität sind ein Geschenk, welches mir in die Wiege gelegt wurde. Und das ist das Erste überhaupt. Danach ist es volle Konzentration, alles umzusetzen. Was für Bewegungen, was für Schritte, passen zu genau dieser Musik. Ich improvisiere anfangs viel und versuche dann gute Momente zu behalten. Das passiert sehr intuitiv. Ich bin keine intellektuelle Choreographin oder Tänzerin. Musik muss gefühlt werden, um sie in Tanz umzusetzen. Das bedeutet viele Stunden Arbeit, was sich kaum jemand vorstellen kann. Zuerst ist es die Kreation und danach muss ich es ja auch üben. Ich bin sozusagen zwei in einem….

Sie wandeln ja durchaus abseits der Pfade des klassischen Flamenco – experimentieren bspw. mit Weltmusik – wie entstand die Idee zu derartigen Stilbrüchen?
BC: Ich empfinde das nicht als Stilbruch. Die Geschichte des Flamencos ist ein Schmelztiegel von vielen Kulturen und Musikrichtungen. Wir haben durch die Geschichte Andalusiens indische, maurische, südamerikanische, persische, jüdische, afrikanische und natürlich iberische Einflüsse. Und diese Wurzeln des Flamencos lasse ich in meinen Produktionen wieder in einem neuen Gewand aufleben.

Flamenco und Klassik – nicht die augenscheinlichste Verbindung. Wie kam es dazu?
BC: Ich spiele seit meiner Kindheit Cello. Die klassische Musik ist ein Teil von mir und so fällt es mir leicht, sie zu tanzen.

Wie haben Sie das Unterhaltungskonzert »Carmen tanzt Flamenco« in Zittau und die Zusammenarbeit mit der Neuen Lausitzer Philharmonie erlebt?
BC: Es waren zwei unvergessliche Abende und ich freue mich auf die kommenden Auftritte. Es ist immer ein ganz besonderes Erlebnis mit einem guten Orchester zu tanzen, welches auch offen ist für neue Produktionen. Dieses Orchester hat eine Wucht und eine Energie, was dem Flamenco sehr entspricht.

Ein Open-Air Konzert im Stadthallengarten – Fluch oder Segen? Welche Chancen und Herausforderungen bieten sich für »Carmen tanzt Flamenco« auf der Freilichtbühne?
BC: Freilichtkonzerte sind immer besonders stimmungsvoll. Ich liebe es, draußen zu tanzen und hoffe natürlich auf laue spanische Nächte – und hoffe, dass auch die ganze Technik dafür sorgt, damit die Stimmung unvergesslich bleiben wird.

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