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Gemeinsame Erklärung der Gastgeber der Zittauer Ballnacht am 14.11.2015

14. November Veröffentlicht von

Heute ist schon wieder einer dieser Tage. Von denen es zu viele gibt. Besonders traurige. Nicht geeignet für politische Vereinnahmungen, Hysterie und schnell gefällte Urteile. Es ist uns allen bewusst, dass es in der Welt zu viele Krisengebiete gibt, in denen Dinge passieren, die entsetzlich sind. Immer wieder hören wir von Anschlägen, Überfällen und Auseinandersetzungen. Erst kürzlich haben wir erfahren, dass eine russische Passagiermaschine über dem Sinai wahrscheinlich einem Anschlag zum Opfer gefallen ist. Und gestern haben Terroristen ein deutsch-französisches Freundschaftsspiel im Fußball genutzt, um die mediale Aufmerksamkeit auf ihre Schandtaten zu lenken. Weit über 100 Menschen sind gestorben, viele sind schwer verletzt oder kämpfen noch um Ihr Leben. Mitten in Paris, mitten im Herzen Europas. Die französische Hauptstadt ist eines der Symbole für ein geeintes Europa mit den Werten, die seit der französischen Revolution als Grundlagen der Demokratie gelten: Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Gerade auch die deutsch-französische Freundschaft, nach einer langen Feindschaft mühsam aufgebaut, ist ein tragendes Symbol der Europäischen Union.

 

Wir hier in Zittau können nicht ignorieren, was in Paris geschehen ist. Wir haben hier seit dem Mauerfall immer mehr daran gearbeitet, dass wir nicht nur rein geografisch mitten in Europa liegen, sondern dass es zur Realität wird, dass unsere Kinder und auch die nachfolgenden Generationen die Schnittstellen zu unseren Nachbarn in Polen und Tschechien selbstverständlich nutzen für den kulturellen Austausch, ein gutes politisches Miteinander und wirtschaftlichen Erfolg. Dies ist bis heute noch nicht überall gelungen, wir befinden uns auf einem guten Weg. Es gibt auch noch genügend zu tun, jedoch sollten wir von diesem Weg nicht abweichen: Wir sind Europäer – samt unserer nationalen Besonderheiten und dem nicht einfachen historischen Erbe. Wir sind überzeugt davon, dass wir gemeinsam weitaus mehr Chancen für ein glückliches und prosperierendes Leben haben als jede Region für sich allein. Aus reiner Mitmenschlichkeit und angesichts unserer eigenen Geschichte hier am Zusammenschluss der jüngsten europäischen Mitglieder treffen uns die Ereignisse in Paris ins Herz. Wir fühlen mit unseren Nachbarn.

 

Wir aber sind hier und heute verabredet zu einem rauschenden Fest, einem Ball, einem freudigen Ereignis. Uns Gastgebern ist es an dieser Stelle nicht möglich, den Ball mit einem Tanz zu eröffnen. Der traditionelle Wiener Walzer erscheint uns nicht angebracht angesichts der Toten und ihrer Angehörigen, die wir in Paris wissen. Dennoch möchten wir den Ball nicht absagen, möchten nicht einknicken vor dem Symbol der Angst, das der Terrorismus immer erreichen will. Sie haben keine Macht über uns, sie dürfen sie auch nie erhalten. Die Angst bestimmt unser Leben nicht. Wir selbst haben unser Leben in der Hand, wir selbst wollen frei und selbstbestimmt mit unseren Nachbarn und Gästen zusammen leben. Zum Leben gehören Feiern. Sie finden nicht außerhalb des Weltgeschehens statt, doch sie erinnern uns daran, dass wir hier in Freiheit und Frieden leben. Deshalb möchten wir mit Ihnen genau darauf anstoßen: Freiheit und Frieden.

 

Es gilt, was Navid Kermani – deutsch-iranischer Schriftsteller und diesjähriger Träger des Friedenspreises des deutschen Buchhandels – am 7. Januar 2015 anlässlich des Anschlags auf Charlie Hebdo schrieb: “Das ist ein Anschlag auf ein Europa, das den Menschen ungeachtet ihres Geschlechts, ihres Glaubens, ihrer Herkunft, ihrer sexuellen Orientierung Würde, Freiheit und gleiche Rechte zuspricht. Tun wir, was den Tätern am meisten missfällt und den Opfern am meisten entspricht: Bleiben wir frei.“

 

Thomas Zenker, Oberbürgermeister Große Kreisstadt Zittau

Prof. Friedrich Albrecht, Rektor der Hochschule Zittau-Görlitz

Prof. Thorsten Claus, Direktor Internationales Hochschulinstitut Zittau der Technischen Universität Dresden

Caspar Sawade, Geschäftsführer Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau

Dorotty Szalma, Schauspiel-Intendantin Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau

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