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GHT-Beitrag zur Eisheiligkeit: Hauptmanns »Winterballade«

11. Mai Veröffentlicht von

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»Wer nichts von Sünde weiß, für den ist Reue; doch mir und jedem Sünder ist sie unnütz. Der Teufel hol’ ein Ding, das stets zu spät kommt! Kam etwa Reue jemals vor der Tat?« So lässt Gerhart Hauptmann in seiner “Winterballade” predigen.

Das eindrucksvolle Antikriegsstück, vollendet 1917, ist der Beitrag des GHT zum Jahr des Namenspatrons und feiert zum 7. Sächsischen Theatertreffen am Samstag (12. Mai, 19.30 Uhr) seine Görlitzer Premiere. Regie und Bühnenbild stammen von Schauspielintendant Carsten Knödler.

Zur Story: Pfarrer Arne wird neunzig – man plant eine große Feier auf dem kleinen schwedischen Bauernhof. Während der Vorbereitungen steigen drei schottische Söldner, die in Schweden stationiert sind, in des alten Pfarrer Arnes Haus ein und ermorden fast die ganze Familie. Nur sein Arnesohn-Sohn (Christian Ruth) und Adoptivsohn Elsalil (Natalie Renaud-Claus – Szenenfoto: Pawel Sosnowski) bleiben schicksalhaft verschont. Zwischen Elsalil und einem der Mörder entspinnt sich eine faszinierende und fast mystische Liebesgeschichte. Am Ende stehen sich der von Reue und Schuldgefühlen wahnsinnig gewordene Mörder und der vor Rachegelüsten brennende Sohn von Arne gegenüber.

Ein spannendes Stück, das Fragen nach Schuld und Rache in einer kriegstraumatisierten Gesellschaft stellt. Das ist ein höchst aktueller Stoff in Zeiten, in denen deutsche Soldaten in Afghanistan und anderen Krisenherden der Welt stationiert sind.

Gerhart Hauptmann schrieb die »Winterballade« während des ersten Weltkrieges. Es war eine Zeit, in welcher der Dichter unter großen inneren Spannungen litt. In der nach der Erzählung »Herrn Arnes Schatz« von Selma Lagerlöf entstandenen »Winterballade« sind es weder logische noch vernünftige Einsichten und Verknüpfungen, die zu Handlungen führen, sondern Gefühle, Ahnungen, plötzliche Eingebungen oder triebhafte Impulse. Eine magische Verbindung hält das Geschehen zusammen und spricht den Mitfühlenden auf besondere Weise an.

Diese Inszenierung ist die Würdigung eines hervorragenden Dramatikers zu seinem 150. Geburtstag und dem 100. Jahrestag der Nobelpreisverleihung an ihn.

Tipp: Zur »Winterballade« bietet das GHT-Schauspielensemble eine halbe Stunde vor jeder Vorstellung eine Stückeinführung im Theaterfoyer an.

THEATER GÖRLITZ
Samstag, 12.05.2012 19:30 Uhr – (Görlitzer Premiere)
Freitag, 18.05.2012 19:30 Uhr
Samstag, 19.05.2012 19:30 Uhr
Sonntag, 03.06.2012 15:00 Uhr

Regieteam:
Regie/Bühne: Carsten Knödler
Kostüme: Ricarda Knödler
Dramaturgie: Kathrin Brune
Regieassistenz: Sabine Strahl
Soufflage: Uwe Körner
Inspizienz: Silke J. Fischer

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