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Märchen Tagebuch Tag 2

28. Oktober Veröffentlicht von

Liebe Freunde des gesprochenen Wortes und der heiteren Muse,

wie versprochen meldet sich wieder Euer Stephan Bestier zu Wort. Nach einer kurzen Pause in unserem märchenhaften Logbuch, berichte ich euch heute über den letzten Besuch beim Schuhmacher und gebe euch ein paar Einblicke in die Probenarbeit.
Gestern war ich also wieder in Spitzkunnersdorf. Mit kaputten Tanzschuhen im Gepäck kamen wir bei meinem Lehrmeister an, er erwartete uns schon und hatte so einiges vorbereitet. Neben dem geheizten Ofen am Arbeitstisch hatte er mir schon Schuhe zurückgelegt, die es zu besohlen galt. “Setzen Sie sich mal hin, ich habe schon was vorbereitet”, sagte er. Also nicht lange gefackelt, saß ich auf dem gepolsterten Schuhmacherstuhl und hatte einen Damenschuh zwischen meinen Oberschenkeln. Ich dachte immer, dass man nur Fingerspitzengefühl für diesen Beruf braucht, dass man aber Oberschenkel wie ein Leistungsschwimmer braucht, war mir entgangen. Nun bin ich um eine weitere Erfahrung reicher. Den Hammer geschwungen, Nägel zwischen die Lippen gesteckt und schon wurden die neuen Absätze bearbeitet. 3 Nägel und ein Cuttermesser später war der eine Schuhe repariert. Dann kamen die Schuhe dran, die ich mitbrachte: Da war so ziemlich alles kaputt, was so kaputt sein kann: Sohle, Absatz und an den Rändern der Schuhe der Gummibezug. Ein Schuh der seine besten Zeiten schon hinter sich hat, aber wie sagte der Schuhmacher: “So lange der Schuh aus echtem Leder ist, kann man noch so einiges reparieren!” Zwischendurch brachte er mir den Unterschied zwischen einen Schuster und einem Schuhmacher näher. Wieder etwas gelernt! Nebenbei analysierte er noch, wie ein Tatortkommisar, den Schuh: Rechtsfüßler, Autofahrer und definitiv Tänzer. Ich musste schmunzeln, weil es sich dabei um einen Mitarbeiter des Theaters handelte, hätte er mir noch gesagt, wie diese Person seinen/ihren Kaffee trinkt, hätte ich jetzt einen Schrein vom Schuhmacher in meiner Wohnung stehen. Nach eineinhalb Stunden war die Schuhkunde beendet, da er noch andere auswärtige Termine hatte.
Soviel zu meinem Ausflug in die Schuhmacherwelt, ein Handwerk, dass ich so vorher nicht kannte und nun meinen Hut davor ziehe: “Hut ab! Turban auf, Frau Mütze!”

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Auch ein großes DANKE an unsere Assistentin Ina Neumann, die mich immer ins Mekka der Schuhkunst kutschierte und so einige Fotos machte. Danke, liebe Ina!

Nun zu unseren Proben:

Erstmal muss ich sagen, dass ich mit einer echt duften Truppe das Märchen proben darf. Wir lachen viel, singen, tanzen und spielen. Momentan sind wir unterwegs im Bereich des Tanzes, da werden die Takte gezählt, sich schon mal totgelacht, weil man wieder die Schrittfolge improvisiert hat und man holt sich manch blauen Fleck, weil man der Schwerkraft nicht immer entkommen kann, nur so durch die Luft fliegt und oftmals nicht 100%ig sagen kann, wo man jetzt ganz genau aufkommt. Wir kämpfen uns durch Klamottenberge, durch Schuhberge, Textberge, Notenberge und Kissenberge. Man könnte meinen, wir bereiten uns auf eine Expedition ins Riesengebirge vor! Ach ja, das Bergfest steht auch noch an. Was das ist, erklär ich euch: Die Hälfte einer Produktionszeit. Einige Menschen feiern die Fertigstellung eines Dachstuhls, wir die Mitte einer Produktion, meistens wird viel gelacht, gegessen, sich über Anekdoten in den Proben lustiggemacht und ein bisschen tiefer ins Glas geschaut, natürlich in Gläser voller alkoholfreier Getränke. Frage an die Redaktion: Muss ich mich hier immer an die absolute Wahrheit halten?

IMG_9699Eines unserer Lieder, ich sing nur: Schuhschuhschubschubschubiduschuhschuhschubschubschubidu…

IMG_9697Man beachte die leeren Wasserflaschen: Es wurden die Tänze geprobt…Marc und Martha nach drei Stunden Tanzprobe immer noch voll konzentriert an den Lippen unserer Regisseurin Dorotty Szalma.

IMG_9698Ein Teil des immensen Schuhberges…sieht eher nach dem Ende eines Marathons aus, als nach einer Märchenprobe.

IMG_9691Nach einer ereignisreichen Kissenschlacht…

Und hier noch ein kleiner Einblick in unsere Ausstattung. Wer die Gala gesehen hat, dem wird die Figurine bekannt vorkommen, zu den anderen Bildern keine Details…

IMG_9690 IMG_9696 IMG_9694Ein kleiner Einblick...

Mehr verrate ich euch heute nicht, ihr sollt schließlich das Märchen besuchen und nicht nur vor dem Rechner sitzen. So verabschiede ich mich für heute, springe kurz in die Wanne, um die festen Muskeln zu lockern und bin in zwei Stunden wieder im Theater, um unsere Lieder zu probieren. Das Liebeslied ist mein Favorit! Ups, doch noch was verraten…

Bis bald, euer Stephan Bestier

 

 

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